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Dim Sum heißt „das Herz berühren“

14 Dez

Im Studentenwohnheim muss man sich in Toleranz üben. Meine chinesischen Mitbewohner haben mir einst viel davon abverlangt. Den ganzen Tag über wurden die Herdplatten blockiert und der Kühlschrank mit Lebensmitteln vollgestopft. Wie überflüssig, dachte ich damals bei meinem Miracoli-Gericht. Bis ich das erste Mal von ihnen zum Dim Sum Essen eingeladen wurde. Das war so herzlich und lecker und hat mich aus den Engen meines Salami-Vegetarismus herausgeführt.

Dim Sum sind kleine mit Fleisch, Shrimps oder Süßem gefüllte Teigtaschen, die entweder gedämpft oder frittiert in einem Bambuskörbchen serviert werden. Sie sind fester Bestandteil der kantonesischen Küche und ein wenig vergleichbar mit russischen Pelmeni oder türkischen Manti. Nur einen Ticken größer und mit Soja- oder Chilisauce verfeinert. Außerdem werden sie nicht als Hauptmahlzeit serviert, sondern vielmehr als kleiner Snack zwischendurch. Das klingt so simpel und ist doch so gut. Und findet in Berlin auch immer mehr Anhänger.

Homemade Dumplings gibt es in der Hauptstadt mittlerweile an jeder Ecke. Oft stammen die Dim Sum jedoch  aus der Tiefkühltruhe. „Homemade“ ist in diesen Fällen dann nur das Dämpfen oder Frittieren. Leckere, wirklich hausgemachte Dim Sum sind deutlich schwieriger zu finden. Sie tischt beispielsweise das Lucky Star auf.

Im Lucky Star tummeln sich viele Chinesen. Der Laden ist immer voll und der Service sehr freundlich. Das spricht für den Laden und eine authentische Erfahrung. Die meisten Gäste kommen zum Hot Pot Essen. Vor oder nach dem opulenten Brühe-Fondue werden dann oftmals noch Dim Sum bestellt. Ich staune immer wieder über die Unmengen an Lebensmitteln, die in den Mägen der zierlichen Chinesen Platz haben. Mir genügen da schon eine Portion Dim Sum und ein Seetangsalat vorneweg. Natürlich gibt es auch noch eine Reihe anderer kantonesischer Gerichte auf der Karte.

Meine ungeschlagenen Favoriten sind die gedämpften Dim Sum, die wie Hefeklöße ausschauen und leicht süß im Geschmack sind: Cha Siu Bau. Gefüllt sind sie mit Schweinehack. Auf der Karte erkennt man sie sofort, weil sie so überhaupt nicht formschön sind. Sie sehen wie zerrupfte Dampfnudeln aus. Nichts fürs Auge und erst recht nichts fürs Foto, wie ich feststellen musste. Wie ein verknautschtes Gesicht im Bambuskörbchen. „Lass mich weiterschlafen und mach das Licht aus!“ scheint es mir sagen zu wollen. Nein, wirklich nicht fotogen das. Aber – suuuperlecker!

Adresse:

Lucky Star, Friedrichstr.  127, 10117 Berlin-Mitte,  geöffnet Mo-Fr ab 12 Uhr und Sa-So ab 17 Uhr.

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