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Naschmarkt der Möglichkeiten

27 Feb

Achtung, Fastenalarm.

Ein paar Tage Diät sollte einlegen, wer am Sonntag, 3. Februar 2013 plant, den 7. Naschmarkt in der Kreuzberger Markthalle Neun zu besuchen. Dort gibt es alle paar Monate ein vielfältiges Angebot an Kuchen, Bonbons, Eiskrem und Schokolade.  Natürlich nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Probieren. (Anmerkung für Geizhälse: Allerdings fast ausschließlich gegen Bezahlung! Dafür – und das stimmt versöhnlich – zahlt man kein Eintrittsgeld.)

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Das mit dem Probieren funktioniert auch nicht lange, spürt man doch spätestens nach dem dritten Cupcake den Wunsch nach einer herzhaften Zwischenmahlzeit. Auch solche Angebote gibt es auf dem Naschmarkt, doch sind die rar gesät und schnell ausverkauft. Wer wirklich absahnen und sich im Anschluss nicht übergeben will, sollte die Törtchen, Marshmellows oder Macarons auf Vorrat kaufen und einfach nach Hause mitnehmen. Auch wenn es schwerfällt – man hat so einfach mehr vom Tag. Ich spreche da aus Erfahrung.

Viele der Naschmarkt-Anbieter catern, verfügen also über keinerlei Lokalität. Hier heißt es also zugreifen.  Andere, wie beispielsweise Tigertörtchen, Princess Cheesecake oder Oliva Schokoladen und Tartes findet man auch mit eigenen Laden in Mitte, Prenzlberg oder Friedrichshain. Zunehmend mehr Bio-Anbieter sind außerdem dabei, die optisch zwar nicht so viel hermachen, dafür aber mit hochwertigen Zutaten locken.

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Mein Fazit: Wer noch nicht dort war, sollte de Naschmarkt unbedingt mal besuchen.  Die Verkaufsfläche ist überschaubar und in der Regel sind die Anbieter  immer dieselben. Man weiß also, was man bekommt.

Adresse:

Olivia Schokoladen & Tartes, Wühlischstraße 30, 10245 Berlin, geöffnet

Princess Cheesecake, Tucholskystr. 37, 10117 Berlin, geöffnet

tigertörtchen, Spandauer Str. 25, 10178 Berlin, geöffnet

Türkisch für Fortgeschrittene

23 Feb

Wer in Berlin behauptet, gerne Türkisch zu essen, erntet oftmals nicht mehr als ein Schmunzeln. Geschabtes Gammelfleisch mit fettigen Saucen und altem Brot  ist  was für Futterproleten und mehr hat die türkische Küche doch nicht zu bieten. Aber denkste! Immer mehr türkische Restaurants und Cafés treten mit köstlichen Gerichten den Gegenbeweis an. Das geht mitunter ins Geld, lohnt sich in den folgenden Lokalitäten aber auch sehr:

Ganz ausgezeichnet schmeckt das Essen im Hadigari. Das liegt in Kreuzberg und bewirtet seine Gäste mit köstlichen Gerichten vom Holzkohlengrill. Die dauern und sind nicht billig, kommen aber immer mit einem leckeren frischen Vorspeisensalat und hausgebackenem Brot daher. Fleischliebhaber kommen im Hadigari voll auf ihre Kosten – aber auch Fischesser sollten unbedingt nach Tagesangeboten fragen. Hin und wieder wird Wildfangdorade aufgetischt und gemeinsam mit den in Olivenöl gebackenen Kartoffelecken schmeckt diese ganz wunderbar. Zum Nachtisch serviert der Küchenchef und Restaurantbesitzer Mustafa Yilmaz  diverse Nachspeisen. Unbedingt empfehlenswert ist die Künefe, eine türkische Süßigkeit bestehend aus Käse, Butter, Sirup und Fadennudeln serviert mit Kaymak, einer Art Schlagrahm. Zuckerschock nicht ausgeschlossen, daher am besten teilen!

Wer vom Süßen nicht genug bekommt, braucht nur die Straße überqueren und eines der reichhaltigen Dessert im LaFemme genießen. Ob Profiteroles, Baklava oder Sütlaç – das Frühstückscafé bietet ein nettes Ambiente mit sättigenden und günstigen Portionen.

Ein paar Meter weiter auf dem Kotbusser Damm befindet sich auch noch die Kernerösterei Çarik Kuruyemiş, die köstlichen Sandmokka anbietet und die türkische Variante der Folienkartoffel. Die mit Butter und Käse vermengte Kartoffel, auch Kumpir genannt,  kommt mit allerlei mayonaisehaltigen Salaten, Sucuk und eingelegtem Gemüse daher. Eine kalorienärmere Variante ist die mit Chilisalat, Kräuterquark und Oliven. Superlecker! Und das für läppische 3,90 Euro. Eine Dependance des Cafés befindet sich übrigens im Wedding.

Zu guter letzt mein absoluter Geheimtipp. Das Zehlendorfer YESS bringt zwar auch Döner auf den Tisch, allerdings wird der stilvoll und in ausgezeichneter Qualität serviert. Darüber hinaus locken jedoch vor allem kalte und warme Vorspeisenplatten, gefüllte Auberginen und hausgemachter Ayran. Den Tee oder Kaffee am Schluss gibt es auf Kosten des Hauses. Die nette Geste freut Gitte und Hans, die auf jeden Fall wiederkommen, wie auch die Geschäftsleute und feinschmeckenden Muselmanen, die das Restaurant in der Mittagszeit zuhauf aufsuchen. Ein geschmackliches Erlebnis, für das auch ein Abstecher nach Zehlendorf lohnt.

Adressen:

Hadigari, Schönleinstr. 2, 10967 Berlin-Kreuzberg, geöffnet tägl. 13-2 Uhr.

LaFemme, Kottbusser Damm 77, 10967 Berlin, geöffnet Mo – Fr 6 bis 21 Uhr und
Sa – So 6 bis 20 Uhr.

Çarik Kuruyemiş, Kottbusser Damm 73, 10967 Berlin.

Yess, Teltower Damm, 14169 Zehlendorf.

Minigolf reloaded

26 Jan

Ein Sommertag im Jahre 1992: Die Sonne scheint, die Großeltern sind gut zu Fuß. Ein Spaziergang um den Stausee, anschließend eine Partie Minigolf. Danach noch Pommes Rot-Weiß und eine Sprite. Ein Nachmittag, wie er in der Kleinstadt im Bilderbuch steht. Ein wenig piefig, aber doch schön. Berlin muss 20 Jahre später im kalten Winter schon mächtig auftrumpfen, um Einheimische zum Minigolfen zu bewegen. Tut sie auch – nämlich mit der Schwarzlicht-Variante. Und schwuppdiwupp ist in der Stadt, die bereits den kalten Hund und die Eier in Senfsoße aus der Versenkung geholt hat, auch das Minigolfen wieder en vogue.

Man könnte meinen, der Görlitzer Park würde im Winter nur für den Kauf berauschender Substanzen aufgesucht. Das stimmt aber nicht. Denn inmitten dunkler Trauben noch dunklerer Männer, die allerlei illegale Rauschmittelchen feilbieten, befindet sich das beschauliche Parkcafé. Das beherbergt im Untergoss einen Minigolf-Parcours. Einen mit Schwarzlicht-Beleuchtung und bunten, bemalten Wänden, die an eine psychedelische Mischung aus Jugendclub und Tourinepp erinnern. Quietschbunte Blumen, schwimmende Seekühe, glitzernde Meteoriten und – naja- eben das eine oder andere obligatorische Berlin-Motiv: Die Siegessäule, das Brandenburger Tor und den Braunbären im 3D-Effekt.

Und zack! Eingelocht.

Gespielt wird im Team auf insgesamt achtzehn Bahnen in fünf verschiedenen Räumen. Dazu erhält jeder Spieler ein Knicklicht und die dazu passende Ausrüstung, bestehend aus Schläger und Ball. Streng rationiert, da diese offenbar häufig geklaut werden.  Fehlt eigentlich nur noch die Fassbrause in der Hand, aber die braucht man ja zum Spielen.  Die Bahnen sind von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad und nur wenige sind wirklich tückisch. Im Hintergrund läuft Musik und die Räume sind beheizt. Nach dem Spiel kann im Parkcafé noch etwas getrunken oder eine Runde gekickert werden.

Die dicke Seekuh schaut zu.

Wer Lust auf eine spontane Partie Schwarzlicht-Minigolf hat, der sollte dafür am besten einen Wochentag wählen. Denn am Wochenende ist es sehr voll und eine Reservierung zwingend nötig. Zwar können sich die Teams auf die verschiedenen Räume verteilen, Wartezeiten sollten jedoch eingeplant werden. Besonders an der Bahn, wo es gilt, den Ball in einem Styroporvulkan zu versenken. Very frustrating! Aber insgesamt ein nettes, circa einstündiges Programm für einen lustigen Abend.

Adresse:

Schwarzlicht-Minigolf-Berlin und Parkcafé, Görlitzer Str. 1, Görlitzer Park, Haus 1, 10997 Berlin-Kreuzberg, geöffnet Mo-Fr 12-22 Uhr und Sa-So 10-22 Uhr.

Törtchen deluxe

19 Jan

Ich liebe die Kunst und das Essen. Wie gut, dass sich bisweilen beides vereinen lässt. Zum Beispiel in der Werkstatt der Süße. Das ist und bleibt mein ungeschlagener Favorit der Törtchenkunst. Jedem, der seinen Schwarm kulinarisch erobern, das Schwiegermutterherz erweichen oder seinen anspruchsvollen Gästen Berlin von seiner besten Seite zeigen möchte, dem rate ich dringend zu einem Besuch in dieser Patisserie!

Ein Törtchen? Oder gleich alle?

Etwas unscheinbar, aber doch immerhin im Kollwitzkiez gelegen ist dieses kleine Café, das vom Patissier Guido Fuhrmann mit essbaren Kunstwerken beliefert wird. Die Lieferung kommt direkt von nebenan und durch eine Glaswand kann man dem bunten Treiben in der Backstube zusehen. Die fertigen Kreationen sind dann in der Auslage zu bestaunen: eine schöner als die andere und eine Entscheidung fällt da nicht leicht. Das Angebot wechselt täglich und saisonal. Die Ingredienzien sind hochwertig, die Kreation sehr ausgeklügelt. Beim Anblick dieser Törtchen gehen einem wirklich die Augen auf!

om nom nom...

Von Le Notre im KaDeWe ist man nach einem Besuch in der Werkstatt der Süße jedenfalls nicht mehr groß beeindruckt. Und die Tarte au chocolat, die ich mir mal im Ritz Carlton für unverschämt viel Geld habe backen lassen, ist dagegen ein schlichtes Lehrlingsstück.

Kürzlich las ich jedoch über die Patisserie Amour fou – der mag ich unbedingt mal eine Chance geben.

Adressen:

Werkstatt der Süße, Husemannstr. 25, 10435 Berlin-Prenzlauer Berg, geöffnet Di-So 10-18 Uhr.

Amour fou, Grimmstr. 24, 10967 Berlin-Kreuzberg, geöffnet Di-Fr 13-19 Uhr und Sa-So 11-19 Uhr.

Wohlig warme Saunen

12 Dez

Wenn’s draußen richtig kalt ist, ist Sauna genau richtig. Sie stärkt das Immunsystem und reinigt die Haut. Finnen schwimmen nach der Sauna gerne im Eisloch – die Berliner lieber in der Therme. Dabei kann man entspannen und den Alltag vergessen. Drei sogenannte „Wellness-Oasen“, die Sauna und Therme kombinieren, habe ich ausprobiert und für gut befunden.

Besonders schick kommt in Berlin das Liquidrom daher. Schon die Website verspricht ein Erlebnis der Extraklasse. Keins für Gabi und Klaus, sondern eins für Clubgänger, Workoholics und Ästheten. Naja – seitdem jeder Reiseführer darüber schreibt, stößt man auch mal auf Abschlussklassen und Eltern mit Anhang. Die hippe Grotte mutiert flugs zur Badeanstalt. An Sonntagen im Winter werden  auch schon mal Wartelisten geführt.  Ein Besuch lohnt sich daher vor allem werktags ab 10 Uhr. Dann ist es sauber und leer und man startet gleich mit dem ersten Aufguss.

Ein Saunabesuch in der kalten Jahreszeit - hach!

Zum ersten Aufguss gab es für mich ein Salzpeeling. Sehr angenehm. Für den letzten Aufguss dann Honig. Dazwischen kann man sich die Zeit in den Saunen, dem Dampfbad oder im Schwimmbecken vertreiben.  Dort liegen Schaumstoffröhren bereit, aus denen man sich ein Kopfkissen basteln und der elektronischen Unterwassermusik lauschen kann. Hin und wieder gibt es auch Jazz und finnischen Tango auf die Ohren. Live-Musik gibt es auch regelmäßig. Allerdings abends und da ist es voll. Bei gutem Wetter kann man zum Entspannen auch das japanische Becken im Außenbereich nutzen. Wellnessmassagen und Hamamanwendungen werden ebenfalls angeboten.

Für den kleinen Hunger und Durst gibt es kleine Snacks und Lassis. Bezahlt wird am Tresen bargeldfrei mittels Armband. Der Betrag ist beim Verlassen an der Kasse zu entrichten. Das Liquidrom kann wahlweise 2 h, 4 h oder den ganzen Tag über besucht werden. Für die Tageskarte zahlt man 29,50 Euro. Bademäntel, Handtücher und Schlappen kann man sich leihen. Wer sie mitbringt, kann sich hinterher noch ein gutes Abendessen leisten.

Wem das Liquidrom zu überlaufen ist, der könnte Freude am Centro Vital finden. Das Hotel befindet sich in Spandau, also j.w.d. (janz weit draußen, wie die Berliner sagen). Es verfügt über einen riesigen Wellness-Bereich inklusive Schwimmbecken und Saunen. Im Winter gibt es oft Angebote, die eine Tageskarte mit einer Massage kombinieren. Einzeln kostet die Tageskarte 25 Euro. Das Klientel ist weniger hip, dafür kommt man zur Ruhe.

Mein letzter Tipp steht in Sachen „Hipness“  ganz hinten an – es sei denn, die 80er sind hip. Die Thermen im Europa-Center sind nämlich ein Relikt aus den Zeiten, in denen Berlin noch die Mauer umgab, und entsprechend oll anzusehen. Statt Schieferstein und Elektro gibt’s hier glatte Fliesen und ’nen schnauzbärtigen Keyboarder im Bademantel . Dafür ist die Sauna seit jeher für tolle Aufgüsse bekannt. Slibovice fand ich zwar gewöhnungsbedürftig, aber der Saunameister kennt sich aus. Ich hatte einen schönen Tagesaufenthalt und ins Geld ging er mit 18,80 Euro auch nicht.

Adressen:

Liquidrom, Möckernstr. 10, 10963 Berlin-Kreuzberg, geöffnet So-Do 10-24 Uhr und Fr-Sa 10-1 Uhr.

Centro Vital,Neuendorfer Straße 25, 13585 Berlin-Spandau, geöffnet Mo- Sa 7-23 uhr und So und feiertags 7-22 Uhr.

Thermen am Europacenter, Nürnberger Straße 7, 10787 Berlin-Charlottenburg, geöffnet Mo-Sa 10-24 uhr und So und feiertags 10-21 Uhr.