Tag Archives: Tiere

Aquatische Fußpflege

14 Feb

Füße.

Eigentlich nichts, worüber ich gerne schreibe. Man kann sie nicht essen, meist auch nicht riechen. Ein Fest für die Augen sind in der Regel nicht. Im Prenzlauer Berg allerdings sind Füße derzeit en vogue. Dort gibt es z.B. das Fußbadcafé, das zum Entspannen einlädt, und seit einiger Zeit auch den Fußfetifisch.

Hinterm Ladenfenster hat der ein paar Becken mit Garra Rufa zu stehen. Das sind hautfressende Fische aus der Türkei, die wirksam gegen Akne, Fußpilz oder Neurodermitis eingesetzt werden. Klingt gruselig, ist aber nur halb so wild. Die stummen Fußpfleger sind nämlich selbst chronisch krank: Sie leiden unter ständigem Eiweißmangel und knabbern darum, was das Zeug hält. Das Ergebnis hängt sehr von der Anzahl der verwendeten Fische und ihrer Größe ab. Im Fußfetifisch, Berlins erstem Fisch SPA, kann man dem neuen Trend einmal selber frönen und sich ein Urteil über diese Alternative zu Bimstein und Hirschtalgcreme bilden.

Vor der Behandlung werden die Füße zunächst gewaschen und desinfiziert. Danach wird man zu einem kniehohen Becken am Schaufenster geführt. Sehen und gesehen werden. Das passt zum Prenzlauer Berg. Ganz langsam taucht man die Füße ins Becken, in dem das Wasser warm ist und ein kleiner Schwarm darauf wartet, drauf loszuknabbern. Das kitzelt ein wenig, schnell hat man sich jedoch daran gewöhnt. Und schaut fasziniert dabei zu, wie die Tiere Hautschuppen schlemmen und davon nicht müde werden. Draußen drängen sich neugierige Passanten und schauen ebenfalls zu.

Der eine mag sich dabei fragen, was wohl der Tierschutz zum Fisch SPA so sagt. Alles in Ordnung, erklärt die junge Besitzerin des Fußfetifisch. Alle Becken entsprechen vorgegebenen Standards. Zwischen den Mahlzeiten erhalten die Fische darüber hinaus je eine Stunde Ruhezeit zum Verdauen. Ein anderer mag sich fragen, wie sich das anfühlt. Weh tut es jedenfalls nicht. Garra Rufa sind keine Blutegel, sondern ernähren sich von bereits toten Zellen. Was hingegen noch lebt und Schmerzen empfindet, ist für sie uninteressant. Wieder ein anderer mag sich fragen, ob man sein Geld nicht sinnvoller ausgeben kann. Aber ein Hauch Dekadenz für gut 15 Euro setzt dem Gewissen nicht wirklich zu. Zum Schmökern gibt’s schließlich die Gala, das lenkt von Finanzkrise und Hungersnot ab.

Wer die Fischpediküre probiert, sollte jedoch keine Wunder erwarten. Garra Rufa ersetzen weder Hobel noch Skalpell. So viel Kraft steckt in den Kauleisten der Tiere nicht. Gerade wer Hautkrankheiten hat, wird von der Behandlung nicht profitieren. Denn die deutschen Tierrechts- und Hygienebestimmungen schränken die Nahrungsgrundlage der Knabberfische erheblich ein. Akne, Neurodermitis und Fußpilz  sind daher tabu. Wer sich eine Heilbehandlung wünscht, sollte die Tiere zu Hause halten oder einen Türkeiurlaub buchen.

Einen Besuch im Fußfetifisch empfehle ich schließlich all jenen, die Lust auf eine neue, witzige Erfahrung haben oder nach einer originellen Geschenkidee suchen. Und natürlich auch denen, die gerne im Rampenlicht stehen. Denn zum Eyecatcher wird man hinter dem großen Schaufenster allemal.

Adressen:

Fußbadcafé, Zionskirchstraße 32, 10119 Berlin, geöffnet Mo-Sa 10-18 Uhr, Sa geschlossen.

Fußfetifisch, Danziger Straße 26, 10435 Berlin, geöffnet Mo-Sa 12-20 Uhr und nach Vereinbarung.

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Die ganze Welt in kleinen Häppchen

29 Jan

Eigentlich bin ich kein Messe-Fan. Wenn aber Highland Cattle und Alpakas zu sehen sind, dann muss auch ich hin. Am Freitag ging es deshalb zur Internationalen Grünen Woche, der weltweit größten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau.

Einen ganzen Tag lang kann man bei der Internationalen Grünen Woche damit verbringen, sich mit  Gratis-Häppchen aller Herren Länder den Bauch vollzuschlagen.  Bisweilen könnte man dabei meinen, die ganze Welt produziere ausschließlich Käse und Salami. Aber auch Weinproben sind möglich und Obst- und Gemüseschnitze liegen aus. Wer mehr wünscht, kann Lebensmittel natürlich auch kaufen- so etwa Schweizer Schokoladen oder gesunde Biokost. Den einen oder anderen Mitt-Fünfziger hört man dann klagen:  „Früher war die Grüne Woche viel besser – da gab’s noch alles umsonst.“ Heute gibt’s dafür Informationen zu erneuerbaren Energien und biologischer Landswirtschaft. Auch was.

Elvis, das 11jährige Maskottchen vom Alpaka Park.

Zugegeben, das Kängurusteak oder der südafrikanische Pinotage begeistern den Kosmopoliten aus Mitte vermutlich nicht mehr. In Berlin erhält man sowas schließlich das ganze Jahr über. Feierabend-Exotik.  Das persönliche Gespräch mit den Herstellern hingegen ist sehr viel spannender. In der Biohalle gab es beispielsweise sehr leckeres Topinambur-Eis mit Samba zu kaufen.  Und mein ganz persönliches Highlight waren ohnehin die Tiere.

Haus- und Nutztiere, die wirklich zahm sind und sich auch streicheln lassen, erwarten hier die Besucher. Schwarzgepunktete Ferkel und ein zwei Tage altes Lämmchen. Aber auch forsche Alpakas und gemütliche Elche.  Alles zum Anfassen und Bestaunen, Fotografieren und baldigem Wiedersehen im Alpaka Park oder auf der Elch- und Rentierfarm Golz.

Elche zum Streicheln - Brandenburg macht's möglich

Mein Fazit: Wer Gratis-Schlemmen möchte, der ist bei der Food-Promotion im Supermarkt gut genug aufgehoben und braucht  keine 12 Euro Eintritt bezahlen. Wer sich hingegen für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau  interessiert und die eine oder andere Frage auf dem Herzen hat, findet auf der Internationalen Grünen Woche eine Anlaufstelle. Dann lohnt sich ein Besuch vor allem unter der Woche, wenn der Andrang noch überschaubar ist. Für dieses Jahr ist die Messe nun leider vorbei – nächstes Jahr kommt sie wieder.

Adressen:

Internationale Grüne Woche, Messegelände Berlin, 2013 18.-27. Januar, geöffnet So-Do 10-18 Uhr und Fr-Sa 10-20 Uhr.

Alpaka Park, Hauptstr. 31, 17291 Nordwestuckermark/ Arendsee.

Elch- und Rentierfarm Th. Golz, Kleptow 29, 17291 Schenkenberg, geöffnet vom 31.05.2012-02.09.2012 Do-so 10-17 Uhr.

Wandern mit Lamas: Ein Erlebnisbericht

8 Dez

Wer hätte gedacht, dass es einen Grund für einen freiwilligen Ausflug nach Königs Wusterhausen gibt? Es gibt ihn und er hat nichts mit Selbstbestrafung zu tun. Es ist der Märkische Lamahof, der die  stattliche Lamaherde von Anita Selig und zwei Alpakas beherbergt. Besucher können hier viel über die kleinen Kameliden lernen und mit ihnen geführte Wanderungen unternehmen. In der kalten Winterzeit wird unterwegs sogar Glühwein ausgeschenkt. Darüber hinaus werden im Hofladen Wolle und Rohwolle zum Verkauf angeboten.

Der Nachmittag mit den Lamas macht von Anfang an Spaß. Sobald man sich dem Lamahof nähert, recken sich einem schon die neugierigen Gesichter der Tiere entgegen. Man schaut in ganz liebe Lama-Augen. Dabei vergisst man schnell, mit welch schweren Kolossen man es  zu tun hat. Die Besitzerin weist daher auch gleich darauf hin, dass Lamas keine Kuscheltiere sind und nicht umarmt werden möchten. Stattdessen eignen sie sich hervorragend als Lastenträger und Therapietiere. Sie strahlen Ruhe, Geduld und Gelassenheit aus, was sich beim Wandern auf die menschlichen Begleiter überträgt.

Ein seltener Schnappschuss von vorn - Lama Corwin

Zunächst werden die Besucher in die Lama- und Alpakakunde eingeführt. Danach werden die Tiere zusammengetrieben und  jedem Teilnehmer eines zugeteilt. Auf der Internetseite kann man vorab einen Favoriten wählen, in der Regel entscheidet sich das aber spontan vor Ort. Denn die Lamas verfügen über ganz unterschiedliche Persönlichkeiten und ihre Befindlichkeiten wechseln. Entsprechend werden sie ihren menschlichen Begleitern zugeteilt und in der Lama-Karawane platziert. Dann geht es los, das Lama an der Leine im Abstand von jeweils 1-2 Metern hintereinander.

Die Tour führt an der Wohngegend vorbei und in ein nahe gelegenes Waldstück hinein. Hinter den Fenstern winken Kinder.  Die Lamas fixieren ihre Begleiter und entwickeln sehr schnell ein Gespür für deren Wesen. Hin und wieder kommt es vor, dass ein Lama etwas mürrisch ist und entnervte Knurrlaute von sich gibt. Lässt man es dann ein wenig grasen, legt sich das schnell. Streicheln darf man am Hals, aber nicht am Kopf. Fotos gelingen fast immer nur von der Seite. Profilneurotiker eben.

Alpaka Sultan mit schicker Sturmfrisur

Zum Schluss der Wanderung gelangt man zu einem Gehege mit Lamastuten. Hier darf gefüttert werden von Hand zu Mund. Das macht Spaß und bietet Gelegenheit für Schnappschüsse. Spätestens jetzt hat man ein neues Lieblingstier. Zuhause werden die Bilder dann stolz den Freunden gezeigt.

Insgesamt dauert die Glühweintour etwa 3- 3,5 Stunden. Der Andrang ist groß, weil es vor kurzem eine Groupon-Aktion mit rabattierten Gutscheinen gab. Regulär kostet die Wanderung 30 Euro pro Person und Lama inkl. Getränk. Kinder zahlen 10 Euro. Erreichbar ist der Märkische Lamahof ab S-Bahnhof Königs Wusterhausen mit dem Bus bis zur Haltestelle Schenkendorf-Friedhof.

Adresse:

Märkischer Lamahof, Freiherr-von-Loeben-Str. 2, 15749 Mittenwalde OT Schenkendorf, telefonische Anmeldung unter 01522 8752653 erbeten.